Web 3.0

5 12 2009

Während in Deutschland das Internet von vielen Politikern in der Öffentlichkeit noch als Müllhalde menschlicher Laster denunziert wird, mussten spätestens jetzt die Politiker Italiens erkennen, dass das Internet aus seinem Schattendasein in die Realität übergriff. Über 350.000 Menschen fanden sich in ganz Italien zu Protesten gegen ihren Präsidenten Silvio Berlusconi  zusammen. Die Intiative ging von Bloggern aus. Aus dem Internet.

Die Proteste des “No Berlusconi Day” richteten sich, wie der Name schon sagt, gegen die Machenschaften des Präsidenten. Dieser büßt mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit an Glaubwürdigkeit ein, indem er Modells als Europaparlamentskandidatinnen aufstellt oder wie er mal wieder versucht der Justiz, mit der er regelmäßig kollidiert, zu entkommen. Nun warf ihm ein Mafiosi, neben die regelmäßigen Korruptionsvorwürfen, auch noch vor Kontakte zur Mafia gehabt zu haben. Zusammenfassend kann man sagen, dass Berlusconis Politik durch seine regelmäßigen Skandale vollkommen überdeckt wird.

Die Italiener fordern nun, dass Berlusconi wie jeder andere Bürger unter dem Gesetz stehen solle und es nicht zu seinen Gunsten veränderen solle. Momentan versucht er nämlich das Justizgesetz zu verändern. Ein positiver Nebeneffekt davon wäre, dass seine frühren Vergehen dadurch verjähren würden.

Da drängt sich doch die Frage auf: Wiso wählem sich die Italiener dann eigentlich zum wiederholten Male so Einen zum Präsidenten? Aber das ist einer andere Frage. Zurück zum Thema.

Initiert wurden die Proteste von Bloggern. Über die Social Networks wurde die Botschaft verbeitet die wie eine Lawine immer mehr an Fahrt aufnahm, sodass sich schließlich auch Oppositionsparteien und Gewerkschaften den Protestanten anschlossen.

Das Internet erhebt sich. Die vormals schattenhaften Avatare aus Foren und Blogs werden für die (italienische) Politik gefährlich real. Was vormals nur ein Platz für realitätsfremde Freaks und Nerds war politisiert sich immer mehr und wird zu einer großen politikrelevanten Gemeinschaft die nicht unterschätzt werden darf. Diese greift zunehmend aktiv in das politische Geschehen ein, wie jetzt in Italien geschehen.

Vielleicht würde es den deutschen Politiker gut tun mehr auf die Bedürfnisse der Netzgemeinde einzugehen und diese nicht mehr als eine Subkultur von Amokläufern und Pädophilen zu stigmatisieren die nicht relevant ist. Ignoranz und Diffamierung kann schnell zu Wut und Hass führen, die zu einer Radikalsierung des Netzes gegen die aktuelle Politik führen könnte und im schlimmsten Falle zu Gewalt gegen den Staat.

Ich hoffe die politische Machtdemonstration des Webs in Italien zeigt den Deutschen Politiker, dass das Netz ernstzunehmen ist und man auf seine politischen Bedüfnisse eingehen sollte.

Quellen:

Spiegel: Blogger organisieren riesige Demonstration gegen Berlusconi
Spiegel: Mafia-Vorwürfe gegen Berlusconi erregen Italien
Heute: “Rettet Italien, Rettet die Demokratie!”


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